News · 28. Oktober 2026
Zehn Weinlesen für einen Metodo Classico
Giuseppe Venturini erzählt die Geschichte des ersten Blanc de Noirs von Villa Crine: zehn Weinlesen voller Neugier, Lernen und Experimentieren.

Alles begann mit Neugier. Seit Jahren verkostete ich Schaumweine, die nach der traditionellen Flaschengärmethode hergestellt werden, aus verschiedenen Regionen Italiens und Frankreichs. Dabei wollte ich immer besser verstehen, was hinter jeder einzelnen Flasche steckt. Je mehr ich darüber erfuhr, desto stärker wurde mein Wunsch, selbst einen solchen Wein bei Villa Crine herzustellen.
In der Valpolicella, einer Region, die vor allem für ihre großen Rotweine bekannt ist, wusste ich, dass dies keine einfache Aufgabe werden würde. Vor zehn Weinlesen begann ich mit den ersten Versuchen. Mein Ziel war es, einen Grundwein zu erzeugen, der sich für die zweite Gärung in der Flasche eignete. Die ersten Ergebnisse waren enttäuschend, doch jeder Fehler brachte neue Erkenntnisse, die ich im folgenden Jahr umsetzen konnte.
Meine Wahl fiel auf die Molinara, eine traditionelle Rebsorte der Valpolicella, die in einem unserer Weinberge wächst. Dort begünstigen die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht eine für dieses Projekt geeignete Traubenreife. Meine Idee war es, einen Blanc de Noirs herzustellen – einen weißen Schaumwein aus roten Trauben. Dafür wird durch besonders schonendes Pressen nur ein kleiner Teil des Mostes gewonnen.
Es dauerte mehrere Weinlesen, bis ich erkannte, wie entscheidend der richtige Lesezeitpunkt und die Präzision beim Pressen waren. Die kontinuierliche Verbesserung dieser beiden Schritte brachte schließlich den entscheidenden Qualitätssprung.
Gleichzeitig bildete ich mich weiter, besuchte Weingüter und tauschte mich mit Winzern in Italien und Frankreich aus. Auch durch Assoenologi, den italienischen Önologenverband, lernte ich erfahrene Fachleute kennen, deren Ratschläge mir halfen, meine Arbeitsweise weiterzuentwickeln.
Heute ist die erste Edition des Villa Crine Metodo Classico nach 30 Monaten Hefelager bereit, vorgestellt zu werden. Die Flaschen reiften während dieser Zeit im historischen Keller unter unserer Villa. Entstanden ist ein ausgewogener Schaumwein mit frischer Säure und einer angenehmen mineralisch-würzigen Note, der eine neue Seite der Molinara zeigt.
Was mich besonders fasziniert, ist, wie viel dieser Wein trotz aller Unterschiede mit dem Amarone gemeinsam hat. Der eine entsteht aus getrockneten Trauben und reift über Jahre im Holzfass. Der andere beginnt als feiner weißer Grundwein und entwickelt sich langsam durch die zweite Gärung und die anschließende Reifung auf der Hefe.
Beide verlangen Präzision, Geduld und vor allem Zeit.
Nach zehn Weinlesen ist es für mich vielleicht die größte Freude, eine neue Ausdrucksform unserer Trauben gefunden zu haben, ohne uns von der Art zu entfernen, wie wir bei Villa Crine seit jeher Wein verstehen.
Giuseppe Venturini — Önologe, Villa Crine